Üblicherweise fallen die Aussagen von Bischöfen, Päpsten und anderen Repräsentant_innen (!) der katholischen Kirche für mich unter deren Interna, sind sie doch an das eigene Publikum gerichtet. Und auch jetzt ist es mir herzlich egal, was Andreas Laun zur Loveparade zu sagen hat.
Wohlgemerkt betrifft diese Wurschtigkeit nicht die verhetzenden Inhalte wie zum Beispiel:
Das Mitleid mit den Opfern ist eine Sache, eine andere die Feststellung: „Love – Parade“ und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde!
Sie dürfen nicht schöngeredet werden als „harmloses Feiern“ netter junger Menschen.
Was mich wundert ist vielmehr, dass diese Aussagen so erregt zurückgewiesen werden. Oft auch von Angehörigen derselben Kirche und ich frage mich, ob diese Leute eigentlich wissen, woran sie glauben (müssen!), wenn sie bei diesem Verein dabei sind. Laun bemerkt dementsprechend:
Mit anderen Worten: Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade, abgesehen von ihrem krankhaften Erscheinungsbild, auch mit Sünde zu tun haben könnte und darum, folgerichtig, auch mit dem richtenden und strafenden Gott!
Laun vertritt keine Einzelmeinung
Als Bischof ist Andreas Laun, ebenso wie Walter Mixa, Kurt Krenn, Hans Hermann Groër, Richard Williamson, u. v. m. zu den höheren und höchsten Repräsentant_innen der katholischen Kirche zu zählen. Es handelt sich bei seinen Aussagen eben nicht um eine Einzelmeinung, sondern um eine Lehrmeinung:
Jesus hat von der Hölle gesprochen, darum muss auch die Kirche davon reden. Kann man an einen strafenden Gott glauben? Gegenfrage: „Kann man einen nicht strafenden Gott glauben, an einen, der keinen Unterschied macht zwischen Opfer und Täter? “Wäre Gott ohne diesen Unterschied nicht ein „gleichgültigen“, also ungerechter Gott – nicht mehr der Gott, an den wir glauben? Sagen wir nicht im Credo, wir glauben an Christus, der kommen wird „zu richten die Lebenden und die Toten“? Im Psalm (10,4) heißt es: „Überheblich sagt der Frevler: Gott straft nicht.“ Und in der Konsequenz: „Es gibt keinen Gott!“
In seiner Enzyklika über die Hoffnung schreibt Papst Benedikt XVI.: Das jüngste Gericht ist nicht ein Schreckensbild, sondern ist Hoffnung, Hoffnung auf Gerechtigkeit. Denn: „Die Missetäter sitzen am Ende nicht neben den Opfern in gleicher Weise an der Tafel des ewigen Hochzeitsmahls, als ob nichts gewesen wäre.“
Bei jeder politischen Partei, die nach ähnlich öffentlichkeitserregenden Aussagen eine Person in den eigenen Reihen behält (siehe Windholz, Haider, Grosz, …) dürfen wir mit Fug und Recht annehmen, dass eine derartige Meinung irgendwie auch zur Parteilinie gehört. Bei der katholischen Kirche ist das natürlich nicht so. Da schimpft das Kirchenvolk auf die da oben, die ja offenbar nicht wissen, was sich zu glauben gehört. Doch sie irren sich. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Laun auch nur einen µ-Meter davon abweicht, was der der katholische Gott für seine Schäfchen plant:
Darum ist es gut zu hören: Gott richtet, „um den Gebeugten auf der Erde zu helfen“ (Ps. 76,10) und darum ist das Gericht Gottes „Herrlich für all seine Frommen. Halleluja!“ (Ps. 149,9).
Eine Einzelmeinung unter Bischöfen lass ich mir einreden, aber es passiert ja immer wieder. Und auch, wenn es mir zum wiederholten Male Schimpfe einbringt:
Wer bei diesem Verein dabei ist und bleibt, der billigt diese Aussagen von Laun et al. und die Machenschaften der Kirche insgesamt.
Laun verkündet die absolute Wahrheit aus katholischer Sicht. Believe it. Or Not. Aber bitte mit allen Konsequenzen.
7 Responses to Laun verkündet die Wahrheit
DNL
August 9th, 2010 at 07:18
walter mixa is eigentlich ein super DJ name
alm
August 9th, 2010 at 07:23
Stimmt! “Walt Michser” wäre aber auch ganz heiB. Oder “Malter Wich…”
Andreas Ostheimer
August 10th, 2010 at 14:35
Ich möchte auch mal kurz in dem Paralleluniversum der genannten Herren in schwarzweiß leben. Vielleicht ist es dort schöner. So unter sich. In der Dunkelheit der Weltfremdheit und Abgeschiedenheit von all dem was wir gemeinhin unter “Leben” verstehen. Wo die Buchstaben sich nicht bewegen, die Wahrheit ewig ist und es eine allmächtige Entität gibt, gegen die man sich garnicht aufzulehnen braucht, weil sie einen eh liebt.
Ach, schön wär’ das.
Günter
August 11th, 2010 at 20:16
Musste kürzlich wieder eine Phalanx an Schuldbekenntnissen anlässlich einer Beerdigung über mich ergehen lassen. Frappant war dabei, dass – es war im tiefsten Waldviertel – die Katholiken dort an die 10 Mal auf Aufforderung des Messdieners und des Pfarrers ihre Litaneien gerhirngewaschen wiederholten. Die wissen gar nicht mehr, was sie da von sich geben, schließlich sind sie seit Jahrzehnten indoktriniert. Insofern trifft es immer auf fruchtbaren Boden, wenn Leute wie Mixa, Laun & Co. ihre Verbalinjurien verbreiten.
Believe it. Or Not. Aber bitte mit allen Konsequenzen. | Giordano Bruno Stiftung Österreich
September 3rd, 2010 at 21:02
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Die schwarzen Schwäne in der öster.-kath. Kirche | Die Konfessionsfreien
November 29th, 2010 at 10:11
[...] Kirche. Jeder Vorhaltung problematischer Zustände (Vatikan AG, Missbrauch, Williamson, Groër, Laun, …) wird das Totschlagargument entgegengesetzt: Die Kirche tut ja auch viel Gutes. Als ob das [...]
Die schwarzen Schwäne in der öster.-kath. Kirche | Giordano Bruno Stiftung Österreich
December 2nd, 2010 at 10:49
[...] Kirche. Jeder Vorhaltung problematischer Zustände (Vatikan AG, Missbrauch, Williamson, Groër, Laun, …) wird das Totschlagargument entgegengesetzt: Die Kirche tut ja auch viel Gutes. Als ob das [...]