Der Verfolgungswahn der Neocons nach Misik

24 Feb
2009




Da hab ich wieder einmal vollmundig angekündigt, dass ich eine Review über Robert Misiks “Politk der Paranoia” verfassen werden. Doch einerseites muss ich mich in meiner kargen Restfreizeit im Moment um den Ausbau der Laizität in der Republik Österreich kümmern, und andererseits ist es erstaunlich wie schnell sich die Inhalte eines Buches verflüchtigen. Während der Lektüre dachte ich mir noch bei jeder zweiten Seite, was ich mir nicht selbst alles dazu denke, doch schlussendlich ist die Merkfähigkeit viel besser, wenn schon vorher feststeht, dass eine Rezension für z. B. ein The Gap folgen wird. An dieser Stelle der Verweis auf die Story von Johannes Rausch in ebendiesem Medium.

Wenn es hier schon nicht für eine kritische Inhaltsangabe reicht, dann vielleicht dafür, was hängengeblieben ist.
Mein großes Fragezeichen am Beginn war “Wer sind denn eigentlich diese Neocons?” Misik beantwortet diese Frage so konkret wie möglich. Die Neuen Konservativen sind jedenfalls keine homogene Masse, sondern teilen sich (für mich jetzt) zumindest in zwei Gruppen, die gleichermaßen gefährlich sind:

Die Erste umfasst diejenigen, die über die Welt doch hie und da nachdenken und zu dem Schluss kommen, dass es gut bzw. persönlich vorteilhaft ist, dass Menschen ungleiche Chancen vorfinden, weil dadurch gewährleistet ist, dass die mit dem Privileg des Startvorteils diesen auch zu ihrem eigenen Ummünzen können. Jeder Versuch der Gleichmacherei ist in ihren Augen eine illegitime Hilfestellung, weil sie das Unterprivilegierten darin bestärkt auch ohne Leistung ein gemütliches Auslangen zu finden. Diese Rudimentärlogik verliert sich natürlich bei nährer Betrachtung und was übrigbleibt ist Zynismus.

Und dann gibt es jene, die das Denken eingestellt haben oder dazu nie in der Lage waren, aber prinzipiell darauf vertrauen, dass es gut ist, dass die Dinge sind, wie sie sind und bestenfalls daran gehen Symbolkosmetik zu betreiben (siehe laienintiative.at). Natürlich verstricken sich diese gerne in den täglichen Widerspruch: Zu Hofer/Lidl einkaufen gehen, aber darüber jammern, dass auch bei Gehältern gespart wird, den Müll auf den Privatsendern beklagen, aber heute in der U-Bahn lesen, uswusf.

Beide Gruppen sind aus unterschiedlichen Gründen Systembewahrer. Misik kategorisiert sie als die Rechten, ihnen gegenüber stehen die Linken, die Progressiven. Und an dieser Stelle kommt auch mein einziger persönlicher Kritikpunkt, nämlich, dass ich diese Umdeutung von rechts und links ein bisschen als Verklärung betrachte. Die Linke ist für mich keineswegs durchwegs progressiv. Misik würde wahrscheinlich sagen, dass das dann keine echten Linken sind. Natürlich gilt dieses Argument, aber schlussendlich ist es eine Definitionsfrage, die natürlich den wesentlichen Punkt unberührt lässt mit dem ich auch übereinstimme: Die Welt ist geteilt in paranoide Bewahrer und mutige Progressive.

6 Responses to Der Verfolgungswahn der Neocons nach Misik

Avatar

michaelthurm

February 28th, 2009 at 01:34

Da diese Kritik so vollständig jedem meiner Gedanken zu Misiks Buch widerspricht, muss ich das hier kurz los werden: (Es soll sich niemand bemüßigt sehen zu antworten.)
Misik gelingt es in keiner weiße ein klares Bild der Konservativen zu zeichnen. Ein “rechtes Milieu” nennt er sie “Alle”. Dazu gehören laut Misik jene, die weniger Steuern fordern und gleichzeitig Kulturkritik üben. Diese gehören laut Misik zum gleichen verwerflichen Menschenschlag (“phantastische Ideologen)”, wie Ultrakonservative a la Der Hl. Vater und Ann Coulter.
Ein großer Unsinn, diese fehlende Differenzierung. Im Interview darauf angesprochen meinte Misik, das man bei Erstgenannten also (Also Steuern runter und Fernsehen besser) auf die Formulierung und Argumentation achten müsse… Nicht einmal dieses Recht räumt er im Buch ein.

Der Herr Misik hat schon sehr kluge Ideen: Sein Ansatz, einer besseren Möglichkeit der Individualität durch ein mehr an Mindestgleichheit kann ich in vollem Umfang zustimmen. Und da bin ich nicht der einzige “Neokon”.

Avatar

alm

February 28th, 2009 at 12:15

Ich bin mir nicht sicher ob mein Blog der richtige Ort für diesen Kommentar ist. Es handelt sich ja hierbei eben nicht um eine Buchkritik. Dass Misik kein klares Bild der Neocons zeichnet, stelle ich ja auch fest, um dann meine eigene Interpretation nachzuschieben. Den Versuch das rechte Milieu zu homogenisieren billige ich hingegen. Vielleicht liegt da der “vollständige Widerspruch”.

Avatar

mitzi

March 1st, 2009 at 22:02

Ist dir erinnerlich ob Misik darüber gesprochen hat, woher er glaubt, dass dieses, ich schätze seit 5 bis 10 Jahren keimende Gedankengut, kommt, warum und wodurch es überhaupt erst möglich geworden ist??

Avatar

alm

March 2nd, 2009 at 09:00

Weil ich mir nur schwer Dinge merke, kann ich mich weder daran erinnern, dass er darüber gesprochen hat (ich glaube nein), noch ob er darüber geschrieben hat (ich glaube ja).

Avatar

Franz

March 2nd, 2009 at 18:55

Gut, jetzt weiß ich, dass ich ein Neocon aus der 2. Gruppe bin:
Ich kaufe gerne beim Hofer ein, nicht so gerne beim Lidl, und finde das besser, als bei REWE-Billa einkaufen zu gehen. Und in der U-Bahn lese ich auch, vorzugsweise Heute, weil da bin ich nach meiner Kurzstrecke nämlich fertig damit und ein Falter oder Standard wäre aufgrund des Formats im Stehen auch echt unpraktisch ;-)

Avatar

alm

March 2nd, 2009 at 20:11

Franz, ich unterschreib dir eine Bürgschaft, dass du kein Neocon bist – trotz Hofer.

Comment Form


top

google