8 Millionen Wahlplakate

22 Sep
2008




Ein gutes Wahlplakat zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

In Österreich gibt es fast so viele PolitikexpertInnen wie Teamchefs, also ein paar Millionen. Das Thema Wahlkampf dominiert die Berichterstattung und fast täglich erscheinen Kommentare zu den Wahlkampagnen und der Wahlwerbung. Als aufmerksamer Leser von Blogs vervielfacht sich die Zahl der guten Ratschläge und schonungsloser Kritik, die mit dem Angebot weitaus härter ins Gericht geht, als das jemals bei Kampagnen von Markenartiklern der Fall wäre. Das ist gut so. Es zeigt, dass die Rezeption von politischer Außenkommunikation breit stattfindet und wir würden uns schön wundern, wenn Kampagnen für Handytarife und zuckrigen Sprudel auch so diskutiert würden.
Die Anforderung an die Kommunikationsleistung von Wahlkampagnen ist aber übermenschlich. Hier werden nicht nur vehement einzelne Inhalte eingefordert, sondern die Darstellung des ganzen Spektrums. Kommunizierten Themen wird wechselhafte Wichtigkeit zugestanden, andere als fehlend reklamiert. Die Wahlkampagne muss Gründe liefern eine Partei zu wählen, aber nicht in Form von Themen auf Plakaten, sondern durch die bildliche und sprachliche Verknappung dessen, wofür die Partei steht. Fritz Dinkhauser brachte es mit entwaffnender Ehrlichkeit auf den Punkt: „Das einzige Rezept, das ich liefern kann, bin ich selbst.“ Jedes einzelne Großflächenplakat der 7 Parteien, denen realistische Chancen auf einen Platz im Parlament zugebilligt werden, zeigt in der Endphase aus gutem Grund den Spitzenkandidaten bzw. Heide Schmidt.
Alle diese Parteien (ausg. Dinkhauser) fahren natürlich ein politisches Vollprogramm. Jede Partei kennt die Aufgabenstellungen in jedem Politikfeld und hat auch eine Antwort parat. Im Wahlkampf geht es darum, diese Lösungswege zu erklären und eine glaubwürdige Umsetzungsgarantie abzugeben. Bei einigen erschöpft sich die Problemlösungskompetenz darin, die Schuld bei der EU und den Ausländern zu suchen, andere setzen lieber auf einen unterscheidbaren politischen Stil und eine nachhaltigere Herangehensweise an die Aufgaben. Der Wunsch ausschließlich wichtige singuläre Themen und Einzelangebote auf Wahlplakaten unterzubringen, kann nicht erfüllt werden. Es geht ja nicht darum, die WählerInnen mit Lockangeboten kurzfristig gefügig zu machen, sondern die Parteien und ihre SpitzenkandidatInnen in ihrer Problemlösungskompetenz zu positionieren und zwar in der gebotenen knappen Darstellung, die auch allen anderen Plakatkampagnen vorausgesetzt wird. Es orientiert sich hoffentlich niemand ausschließlich an Plakaten bei seiner Wahlentscheidung. Wer sich inhaltlich und thematisch wirklich vernachlässigt fühlt, hat bei TV-Duellen und beim Lesen der wirklich ausreichend ausführlichen und lesbaren Wahlprogramme genügend Material in der Hand, um sich eine Entscheidungsgrundlage für den 28. 9. zu bilden.

Dieser Gastkommentar erscheint am 26.9. im medianet.

4 Responses to 8 Millionen Wahlplakate

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claudia

September 23rd, 2008 at 00:06

deine subline ist ein wenig irreführend, hast du vielleicht gemeint ein wahlplakat, das es allen recht macht ist ein ding der unmöglichkeit?

emotionale debattierer mit ihren wünschen, interpretationen, projektionen, ob in der politik oder beim fussball, sind noch lange keine experten.

du skizzierst doch was in deinen augen eine gute wahlkampagne leisten kann und wie sie im verhältnis zur jeweiligen partei, zum kandidaten, stehen soll. (welche anforderungen von wem sind also übermenschlich?)

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alm

September 23rd, 2008 at 08:20

also:

subline: ich bin natürlich schon der meinung, dass das möglich ist. mit unmöglich ist gemeint, dass es schwer ist, alle (sympathisierenden) hinter sich zu vereinen.

emotionale debattierer: naja. die meine ich damit gar nicht. ich meine ausschließlich diverse herausgeber, chefredakteurinnen, nlp-profil-profis, agenturchefs, etc. die sich dazu äußern. was ich in postings und comments lese, habe ich bewusst beiseite gelassen. manches davon ist ernst zu nehmen, vieles gar nicht.

skizze: dass wir das recht gut machen, nehme ich von meiner arbeit natürlich an. die übermenschlichkeit bezieht sich auf die vereinbarkeit von außen an uns gerichteter forderungen, was die grünen mit ihrer kampagne und, soweit es uns betrifft, werbekampagne leisten sollen.

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Super-Fi » Blog Archiv » “VdB sieht richtig sexy aus!”

September 23rd, 2008 at 09:22

[...] PS: Natürlich bräuchte jede/r ÖsterreicherIn ein individuell passendes Plakat. Kommentar “8 Millionen Wahlplakate“ [...]

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claudia

September 28th, 2008 at 02:24

“du skizzierst doch was in deinen augen eine gute wahlkampagne leisten kann und wie sie im verhältnis zur jeweiligen partei, zum kandidaten, stehen soll.” war nicht als kritik deiner arbeit zu verstehen. Ich find speziell die Plakate sehr gelungen.
Zu Super-Fi » Blog Archiv » “VdB sieht richtig sexy aus!”: Ich find die fotos schön weil sie das zeigen, was bei einem politiker im übertragenen sinne wichtig ist, nämlich den kopf, und weil die unterschiedlichen gesichtsausdrücke fast schon intime nähe implizieren. Sexy ist aus meinem wortschatz gestrichen.

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