Weil halbe Zitate und ohne Kontext wiedergegebene Gedanken sehr oft zu Missverständnissen führen, werde ich an dieser Stelle meine Position zum gestrigen Vorschlag des Bauernbundes bzw. Landesobmann Max Hiegelsberger und zur steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags generell ausführen:
1) Ich bin mit aller Deutlichkeit gegen die steuerliche Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags bzw. aller Spenden an gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaften. Diese Bestimmung ist undemokratisch. Sie widerspricht demokratischen Grundprinzipien der Religionsfreiheit und Egalität. Keiner darf auf Grund seiner Religion, Ablehnung derselben oder Weltanschauung besonders gefördert oder diskriminiert werden.
Die steuerliche Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags ist daher ersatzlos zu streichen.
2) Ich bin für eine Ausweitung der steuerlichen Absetzbarkeit von Spenden. Das ist kein Ersatz für 1), sondern etwas gänzlich anderes, genauso wie der Ethikunterricht kein Ersatz für den Religionsunterricht sein kann und darf. Es ist auch kein Ergänzungsangebot zur steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags.
Wie soll das funktionieren? Jeder hat einen mit (Hausnummer 400.- EUR gedeckelten) Betrag für Spenden an Vereine pro Jahr zur Verfügung, der steuerlich abgesetzt werden kann. Und dabei ist es egal, ob der Verein der lokale Fußballverein, Greenpeace, die örtliche Blasmusik oder die evangelische Kirche ist.
Es gibt für den Vorschlag 2) also keine konfessionelle Bindung. Ich kann als Buddhist dem Fußballverein spenden und als Atheist der Caritas. Voraussetzung für die weitere Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags: Die Kirchen müssen dazu Vereine sein und ihre rechtliche Sonderstellung aufgeben.
Der Vorschlag von Hiegelsberger ist natürlich jenseitig und soll meines Erachtens nur dazu führen die massiv angestiegenen Kirchenaustritte einzudämmen, indem eine, weil die unter- und über- nicht mehr reichen, irdische Strafe dafür in Aussicht gestellt wird.
(Nachtrag vorab, weil von vielen Seiten die Rückmeldung kam, dass ich das doch nicht wörtlich nehmen soll. Ich denke es geht mehr als ausreichend aus dem Text hervor, dass ich das eben nicht mache. Worauf ich hinweisen wollte, sind Punkte, denen einfach in genau dieser Form Beifall gespendet wird. Das Interview Düringers im Standard legt im Übrigen nahe, dass er schon gemeint hat, was er so gesagt hat. Die Übertreibungen natürlich ausgenommen.)
Ich bin nicht wütend. Ehrlich. Zumindest nicht im Sinn Roland Düringers, auch wenn ich mich jetzt schon ein bisschen darübere ärgere mich bei jenen einzureihen, die auch etwas dazu sagen müssen.
Kurz von vorne: Das Video von Roland Düringers Auftritt beim letzten Dorfers Donnerstalk (Kein Tippfehler. Die Sendung heißt so.) dürfte hinlänglich bekannt sein. Hier ist noch einmal die Langversion:
Interessant dabei ist, dass die Leute hier mit verschiedenen Versionen konfrontiert wurden. Ich habe zunächst auch jene mit dem Intro gesehen, wo Düringer den Betrunkenen mimt.
“Man hat mich hinter der Bühne aufgebaut.” – “Womit?” – “Weißer Spritzer.”
Der ursprüngliche Link führte mich später zur einer Version, die damit beginnt, dass sich Düringer als sich selbst vorstellt. Bei YouTube können Videos nachträglich geändert werden und das ist in diesem Fall passiert. Das führt aber auch dazu, dass dieses Video sicher anders wahrgenommen wird. Für mich war es zunächst eine besoffene Parodie eines Wutbürgers, wohl wissend (also annehmend), Düringer denkt tatsächlich auch so. Dass das stimmt, hat Düringer in einem Interview mit Der Standard auch bestätigt:
Eigentlich habe ich das schon ernst gemeint. Vorher haben wir eine Parodie über den Wutbürgerkongress gemacht, die Sendung habe ich dann aber als Roland Düringer beendet und das einfach in die Kamera gesagt.
Nun gut: Ich mag ja Düringer und seinen derben Humor, auch die wenig subtilen Schmähs. Mit einem derartigen Auftritt hab’ ich kein Problem. Schlussendlich hat er durch die gespielte Betrunkenheit auch selbst die Ernsthaftigkeit herausgenommen – was eigentlich schade ist – und selbstverständlich sind die Formulierungen kabarettistisch** überhöht. Wenn er beispielsweise die Wortzahl der 10 Gebote mit EU-Bestimmungen vergleicht, von denen er weiß, dass sie nicht exisiteren, dann erkennt das hoffentlich jeder als Witz. Trotzdem schaffen es Leute sich darüber zu echauffieren, dass die US-Verfassung doch mehr als 300 Wörter hat.
Und da bin ich an dem Punkt, wo es für mich nicht mehr zusammenpasst. Düringers Video wird euphorisch aufgenommen, weil er endlich ausspricht, was Sache ist (“Ich sage das, was sich die Menschen denken“. Na dann sehen wir uns einmal an, was Sache ist.
Roland Düringer deklariert sich als Vertreter der Mittelschicht und ich frage mich ehrlich ohne ihm Reichtum zu unterstellen, ob das stimmt. Dass er mit seinem Beruf aber doch näher bei Berufung liegt als andere, darf ich annehmen:
“Wir sind all jene Systemtrottel, die es schön langsam satt haben im Hamsterrad zu laufen. … und all jenen, die profitieren den Deppen zu machen.”
Wen meint er da? Meint er mich, der jeden Monat 25 Gehälter überweist (= Deppenmacher) oder bin ich eh auch im Hamsterrad (= wahrscheinlicher)?
Der Mittelstand wird angelogen…
… weil kein Politiker den Mut oder die Eier hat, aufzustehen und die Wahrheit zu sagen.
Najo. Eine klassische Pauschalierung, die auch wenn nicht so gemeint, definitiv gerne so aufgenommen wird. Faktum ist auch: das stimmt einfach nicht.
Das Wasser steht uns bis zum Hals. Die Systeme werden im künstlichen Wachkoma gehalten. [...] … mit Banken und Konzernen über das Volk zu herrschen.
Huh? Das klingt nach einer existenziellen Bedrohung. Welche Systeme? Achtung Verschwörungstheorie!
… weil es in diesem Land keine Pressefreiheit gibt!
Huh? Mit Verlaub. Das stimmt nicht.
… an medizinischen Geräten angeschlossen vergiftet dahinvegetieren, um der Pharmaindustrie und dem Bruttoinlandsprodukt zu dienen.
Geh bitte. Die Pharmaindustrie will uns vergiften? Was will er sagen? Dass Ärzte alle Trottel sind, wenn sie uns Medikamente verschreiben/verabreichen. So ein Unsinn. Wer soll denn forschen, entwickeln und produzieren? Universitäre Kolchosen? Homöopathen?
Wir sind die, die nicht mehr ihre Stimmen in Urnen werfen werden. Wir werden sie behalten, damit wir schreien können.
WTF? Wörtlich gelesen entnehme ich da die Weigerung zu wählen. Was ist die Alternative bitte? Ich nehm’s eh nicht wörtlich, sondern als hübsche Metapher.
Nocheinmal: Ich bin sicher nicht so pingelig um mich an obigen Zitaten aufzuhängen. Das wäre im Kontext lächerlich. Düringer soll das machen. Düringer muss das machen. Und so mobilisiert er auch besser. Humor und Nudelsiebe sind gute Vehikel, um seine Anliegen zu transportieren. Zumindest theoretisch, weil praktisch wird wie immer nicht viel passieren.
Warum? Das offenbart das oben erwähnte Interview mit Düringer:
Es kamen Anfragen, ob wir nicht eine Partei gründen sollten. Aber das halte ich genau für den falschen Schritt. Dann bin ich Teil dieses Systems. Und das System ist am Ende.
Tut mir leid, Herr Düringer, Sie sind bereits Teil des Systems.
Was wir wirklich verändern müssen, ist unser Denken. Wir müssen größer denken lernen. Wir müssen erkennen, was hat wirklich einen Wert und was wird uns nur als Wert verkauft.
Das große Problem politischer Utopien ist die Annahme, die Menschen selbst ändern zu können. Das ist ein frommer Wunsch. Das ist kurzfristig nicht möglich. Die Menschen lassen sich nicht ändern. Demokratische Strukturen zu umgehen, weiß zu wählen, ungültig zu wählen, auf eine Revolution zu hoffen, dann einfach mitlaufen, selbst aber nicht politisch aktiv sein zu wollen, wird nicht funktionieren. Das System muss sich schon von innen ändern. D. h. wir müssen die Menschen wählen, von denen wir annehmen, dass sie dazu in der Lage sind. Und wenn es sie nicht gibt, dann müssen wir selbst politisch aktiv werden.*
Ich teile viele Bedenken Roland Düringers und ich rate ihm in der Formulierung konkreter und präziser zu werden, um Pauschalierungen zu vermeiden. Durch diese wird der Radius der Zielscheibe nämlich auch auf Unschuldige ausgedehnt, die sich dann auch wehren müssen. Schlussendlich führt es dazu, das genau die falschen miteinander streiten.
Und alle jene, die jetzt bequem Beifall klatschen, weil ihnen jemand die Wut-Arbeit*** abnimmt, sollen gefälligst ihre Ärsche in die Höhe kriegen und sich politisch engagieren.
(Nachträglicher Zusatz, weil sich bei dieser Aufforderung natürlich immer die falschen angesprochen fühlen: Ich habe großes Verständnis, wenn jemand dafür keine Zeit finden kann und sich dabei gern vertreten lässt. Umso mehr ist es aber wichtig zumindest diese Vertretungsbefugnis sorgfältig auszuwählen. Das ist nicht zuviel verlangt.)
Lesen Sie auch:
*** Noch einer, der sehr gut Wut-Arbeit abnimmt ist Hugo Portisch mit seinem neuen Buch “Was jetzt”
** (Nachtrag: siehe Kurier-Interview)
*Und ich maße mir sogar an zu behaupten, das zu tun: siehe Laizismus-Initiative.
Daniel Gebhart de Koekkoek hat mich gebeten für sein neues Fotoprojekt “Wort Gottes” einen kleinen Vorspann zu schreiben.
Und das ist er:
Hotels, Pensionen, Herbergen bemühen sich ihren Gästen in aller Regel den Aufenthalt so angenehm, wie möglich zu gestalten. Handtücher, Shampoo usw. können getrost zu Hause gelassen werden. Diese Dinge werden in den Nassräumen bereit gestellt. Die Batterie an weiteren Servicegeschenken reicht dann von Bademantel und Kamm, bis zu Flip Flops, Nähzeug und Nagelfeile. Je mehr ***** das Hotel vorweisen darf, desto mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe steht für die Gäste bereit. Einen wiederverwendbaren Einrichtungsgegenstand findet der Hotelgast in alpinen katholischen Kernländern auch fast immer, selbst wenn ein TV-Gerät, geschweige denn WiFi am Innenausstatter auch das nächste Jahrzehnt noch spurlos vorüber gehen wird: Die Bibel bzw. in entradikalisierter Form: Das Neue Testament.
Da diese Betriebe in aller Regel private Unternehmen sind und die Wirte daher ihren Missionseifer nach Lust und Laune ausleben dürfen, sei unbenommen. Wahrscheinlicher ist aber, dass dieses vermeintliche Service nichts anderes ist als der weit verbreitete Ausdruck der unreflektierten Selbstverständlichkeit, mit der die dominante Religion hofiert wird. Der Anteil der regelmäßigen Kirchgänger liegt mittlerweile deutlich unter jenem der Konfessionsfreien. Die Tatsache, dass Nachttische mit heiligen Schriften vollgestopft werden, ist eine Anmaßung für Nicht-Gläubige (und im übrigen auch für Angehörige anderer Religionen). Der unreflektierte Umgang damit aber fast noch schlimmer: eine Beleidigung für kritisches Denken und Ausdruck einer verengten Sichtweise auf die Realität. Schon im Sinne der Kundenzufriedenheit wäre es vermutlich ratsam keine heiligen Bücher im Nachttisch zu verstauen.
Für das Projekt von Daniel Gebhart de Koekkoek wäre das allerdings abträglich, denn er hat sich zur Aufgabe gesetzt die diversen Bibelauslegungen fotografisch zu dokumentieren. Beten wir also, dass seine Serie nicht so bald abreißt.
Das ist natürlich eine Fangfrage. Da fällt rein gar nichts aus der Reihe.
Vor ein paar Tagen war in einem Artikel in der Welt Online zu lesen:”Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen” und zwar mittels Weltbild Verlag, der wiederum mit der Welt Online selbst nichts zu tun hat, aber zu 100% im Eigentum der katholischen Kirche steht.
Nur zu ca. 85% ist die katholische Kirche (indirekte) Eigentümerin des Bankhauses Schelhammer & Schattera, das wiederum selbst eine kleine Beteiligung an den Casinos Austria hält.
Ich will das an dieser Stelle gar nicht inhaltlich bewerten, sondern auf den Katechismus, der katholischen Kirche verweisen, der unter 2413 wie folgt ausführt (Anm. Rechtsschreibfehler im Original):
2413 Glücksspiele (wie Kartenspiele) oder Wetten verstoßen an und für sich nicht gegen die Gerechtigkeit. Sie werden jedoch dann sittlich unzulässig, wenn sie jemand um das bringen, was er zu seinem und anderer Menschen Lebensunterhalt braucht. Die Spielleidenschaft droht den Spieler zu versklaven. Eine ungerechte Wette abzuschließen oder beim Spiel zu betrügen ist schwerwiegend, außer wenn der zugefügte Schaden so gering ist, daß der Geschädigte ihn vernünftiger weise nicht ernst nehmen kann.
Das könnte als Widerspruch zu einer Beteiligung an einer Glücksspielgesellschaft gesehen werden. Oder auch nicht. Auch das ist mir egal. Warum schreibe ich das? Weil ich im Standard von gestern (29. 10. 2011) folgende Kurznachricht gesehen habe und später überprüfen will, ob es beim frommen Wunsch geblieben ist.
Bis jetzt habe ich noch nicht durchgezählt, wie oft mein Führerscheinfoto* im Juli 2011 in nationalen und internationalen Medien abgebildet war. Natürlich habe ich von vielen, vor allem nicht-österreichischen Nicht-Onlinemedien, keine Clippings. In den allermeisten Artikeln wurde jedenfalls das von der APA ausgesendete Foto verwendet.
Dieses Bild wurde von mir auf Anfrage der APA und Medien selbst mit meiner ausdrücklichen Genehmigung zur Verfügung gestellt.
Durch einen Tweet von @porrporr wurde ich auf die Kronen Zeitung vom 18. Juli aufmerksam, wo auf der Leserbriefseite neben dem Führerschein auch ein Foto der originalen Passfotos abgedruckt war. Die Abbildung der Kronen Zeitung vermeide ich hier selbst sicherheitshalber. Aber hier ist der Link zu porrporrs Twitpic:
Das Foto von den Passfotos war ausschließlich in meinem Blogpost zu finden und wurde von der Kronen Zeitung einfach ohne zu fragen auf der Leserbriefseite veröffentlicht. Auf meiner Website gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Fotos zur beliebigen weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt werden. Und das ist auch nicht der Fall.
Jedenfalls bekam die Kronen Zeitung von der von mir damit beauftragten Rechtsanwältin Maria Windhager eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung zugesendet, dieses Bild nicht mehr zu verwenden und Schadenersatz zu leisten.
Ergebnis: Ein Vergleich, bei dem die Kronen Zeitung im wesentlichen die Forderungen erfüllt hat.
Bei der Sache ging es mir nicht darum von der Kronen Zeitung abzukassieren. Tatsächlich habe ich davon keinen finanziellen Vorteil. Ich hätte der Kronen Zeitung auf Nachfrage das Bild sogar geschickt, wie ich es auch bei anderen Medien (u. a. sogar Österreich) auch getan habe. Es war mir aber wichtig, hier eine Grenze einzuziehen.
* Keine Ahnung, was damit gemeint ist? Hier nachlesen: Heiliger Führerschein.